Warum Agribusiness-Projekte scheitern: Die wichtigsten Gründe aufgedeckt

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Projekte in der Agrarwirtschaft scheitern selten an mangelnder Finanzierung oder guten Absichten.
Sie scheitern, weil die Ausführung bricht zwischen dem Bauernhof und dem Markt zusammen.

Über alle Regionen und Kulturpflanzen hinweg ist das Muster auffallend einheitlich. Projekte starten mit viel Schwung, technischem Know-how und der Unterstützung von Interessengruppen. Doch einige Jahre später sind die Erträge enttäuschend, die Käufer ziehen sich zurück, die Infrastruktur wird nicht ausreichend genutzt, oder die gesamte Initiative wird still und leise eingestellt.

Die Ursachen sind selten landwirtschaftlicher Natur. Sie sind kommerzielle, operative und Governance-bezogene.

1. Projekte optimieren die Produktion, ignorieren aber den Markt

Einer der häufigsten Gründe für das Scheitern von Projekten in der Agrarwirtschaft ist ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Marktgestaltung.

Viele Initiativen konzentrieren sich stark darauf:

  • steigende Renditen
  • Verbesserung der landwirtschaftlichen Techniken
  • Verteilung von Betriebsmitteln oder Technologie

Was sie unterschätzen, ist Wer wird die Produktion kaufen, in welcher Qualität, zu welchem Preis und mit welcher Zuverlässigkeit?.

Wenn die Produktion ohne gesicherte Abnahme steigt:

  • Einbruch der lokalen Preise
  • Vermittler nehmen den größten Teil des Wertes ein
  • Landwirte verlieren Vertrauen
  • Uneinheitliche Versorgung der Verarbeiter

Agribusiness ist nicht nur Landwirtschaft. Es ist eine Wertschöpfungskette. Projekte, bei denen die Märkte nur eine Nebenrolle spielen, haben es schwer, Produktivität in nachhaltiges Einkommen umzuwandeln.

2. Infrastruktur und Logistik sind schwächer, als das Modell annimmt

Auf dem Papier sehen Aggregationszentren, Lagereinrichtungen und Kühlketten ausreichend aus. In der Praxis bringen kleine Lücken ganze Projekte zum Scheitern.

Zu den häufigsten Schwachstellen gehören:

  • Lagerräume, die nicht in der Lage sind, Ernte-Spitzenmengen zu bewältigen
  • Unterbrechungen der Kühlkette aufgrund von Strom- oder Wartungsproblemen
  • Straßen, die während der Regenzeit unpassierbar werden
  • Fehlen von Normen für die Einstufung und Rückverfolgbarkeit

Wenn die Logistik versagt, verschlechtert sich die Qualität, die Verluste steigen, und die Käufer ziehen sich zurück. Selbst gut geführte Betriebe können schwache Nacherntesysteme nicht kompensieren.

Bei vielen gescheiterten Projekten wurde zwar die Infrastruktur gebaut, aber die Einsatzbereitschaft wurde nie unter realem Mengen- und Zeitdruck getestet.

3. Nachernteverluste machen das Geschäft leise zunichte

Nachernteverluste sind nach wie vor eines der am meisten unterschätzten Risiken bei Projekten in der Agrarwirtschaft.

Die Verluste entstehen durch:

  • verzögerte Aggregation
  • schlechte Lagerungsbedingungen
  • fehlende Kühlung
  • unsachgemäße Handhabung
  • Qualitätsabstufungen

Ein Projekt kann technisch gesehen genügend Volumen “produzieren” und trotzdem wirtschaftlich scheitern, wenn 20 bis 30 Prozent der Produktion verloren gehen oder zu Schleuderpreisen verkauft werden.

Wenn die Gewinnspannen gering sind, können diese Verluste die Rentabilität schnell zunichte machen.

4. Die Durchführungskapazität ist für die Komplexität des Projekts unzureichend

Projekte im Agrarsektor sind operativ anspruchsvoll. Sie erfordern eine übergreifende Koordination:

  • Landwirte und Genossenschaften
  • Auftragnehmer und Lieferanten
  • Verarbeiter und Käufer
  • Logistikdienstleister
  • Regulierungsbehörden und Finanziers

Viele Projekte werden jedoch von Teams geleitet, die für die Verwaltung und nicht für die Durchführung zuständig sind.

Typische Themen sind:

  • schwache Projektmanagementstrukturen
  • langsame Beschaffung und Auftragsvergabe
  • begrenzte Aufsicht über die Auftragnehmer
  • verzögerte Entscheidungsfindung
  • schlechte Finanz- und Leistungsberichte

Das Projektkonzept mag solide sein, aber ohne eine starke Führung bei der Ausführung geraten die Fristen in Verzug, die Kosten steigen und die Glaubwürdigkeit schwindet.

5. Verzögerungen bei der Auftragsvergabe brechen die Fristen für die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist unnachgiebig, wenn es um den Zeitplan geht. Die Zeitfenster für Pflanzung, Ernte und Verarbeitung sind unverrückbar.

Verzögerungen bei der Beschaffung führen zu:

  • Ausrüstung, die nach der Saison eintrifft
  • Zu späte Mobilisierung der Auftragnehmer
  • verpasste Anpflanzungszyklen
  • überhöhte Kosten aufgrund von übereilten Alternativen

Ist eine Saison erst einmal verpasst, dauert die Erholung oft Jahre, nicht Monate. Projekte erholen sich selten vollständig von frühen Beschaffungs- und Mobilisierungsfehlern.

6. Klima- und Wetterrisiken werden als Randnotizen behandelt

Viele Projekte in der Agrarwirtschaft planen für “durchschnittliche” Bedingungen.

Klimaschwankungen sind jedoch keine Ausnahme mehr. Dürreperioden, Überschwemmungen, Hitzestress und unvorhersehbare Niederschläge bestimmen zunehmend das Arbeitsumfeld.

Projekte scheitern, wenn:

  • die Auswahl der Kulturen ist nicht klimaresistent
  • die Wasserbewirtschaftung ist schwach
  • Bewässerungssysteme sind unterdimensioniert
  • keine Versicherungs- oder Risikoteilungsmechanismen vorhanden sind
  • Notfallpläne existieren nur auf dem Papier

Das Klimarisiko muss in die Planung und den Betrieb eingebettet werden und darf nicht als Absatz in den Vorschlag aufgenommen werden.

7. Die Erzeugerorganisationen sind schwächer als erwartet

Bei Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften wird oft davon ausgegangen, dass sie als stabile Handelspartner fungieren.

In Wirklichkeit fehlen viele:

  • professionelles Management
  • Finanzkontrollen
  • interne Durchsetzungsmechanismen
  • Reifegrad der Unternehmensführung
  • Betriebskapitaldisziplin

Projekte, die sich auf diese Organisationen stützen, ohne deren Führungsstrukturen zu stärken, sind gefährdet:

  • inkonsistente Versorgung
  • Rückzahlungsfragen
  • Seitenverkauf
  • interner Konflikt

Ohne eine starke Erzeugerführung bricht das Vertrauen der Käufer schnell zusammen.

8. Technologieeinführung scheitert ohne Angleichung der Anreize

Digitale Werkzeuge, Rückverfolgbarkeitssysteme und Beratungsplattformen werden häufig als Lösungen vorgestellt.

Sie scheitern, wenn:

  • die Übernahme bedeutet zusätzlichen Aufwand ohne klaren Nutzen
  • Daten sind keine Entscheidungsgrundlage
  • Anreize bleiben unverändert
  • Arbeitsabläufe bleiben informell

Technologie schafft keine Disziplin. Führung und Anreize schon.

Bei Projekten, bei denen die Ausbildung als Übernahme betrachtet wird, stellt man oft zu spät fest, dass sich das Verhalten nie geändert hat.

9. Nachhaltigkeit bricht bei der Übergabe zusammen

Viele Projekte in der Agrarwirtschaft laufen vernünftig, solange das Projektteam anwesend ist.

Sie scheitern nach dem Ausstieg, weil:

  • die Betriebskosten wurden nicht durch Handelsspannen gedeckt
  • die Eigentumsverhältnisse an den Vermögenswerten waren unklar
  • die Verwaltungsstrukturen waren schwach
  • Die lokalen Verantwortlichen waren nicht für die Ergebnisse verantwortlich.

Bei der Nachhaltigkeit geht es nicht um die Fortführung von Aktivitäten. Es geht um wer die Verantwortung für Entscheidungen und Risiken nach Abschluss des Projekts trägt.

10. Der rote Faden: Es fehlt das Eigentum an der Ausführung

Bei all diesen Fehlerarten taucht ein Problem immer wieder auf.

Keine einzelne Führungskraft ist für die gesamte Ausführung verantwortlich.

Die Zuständigkeiten sind auf Ministerien, Geber, Berater, Genossenschaften und Dienstleistungsanbieter verteilt. Wenn Probleme auftauchen, ist die Rechenschaftspflicht bruchstückhaft und die Maßnahmen verlangsamen sich.

Projekte im Agrarsektor scheitern nicht an mangelnder Strategie.
Sie scheitern an fehlende operative Eigenverantwortung unter Druck.

Wo Interim-Führung den Unterschied machen kann

Bei komplexen Initiativen in der Agrarwirtschaft bringen Organisationen manchmal Interims-Programmdirektoren, COOs, oder Supply-Chain-Leiter um die Lieferung zu stabilisieren, den Entscheidungsrhythmus zu erzwingen und die Beteiligten schnell zu koordinieren.

Firmen wie CE Interim unterstützen solche Situationen durch den Einsatz erfahrener Interim-Führungskräfte, die in kritischen Phasen die praktische Verantwortung für die Ausführung, die Steuerung und die kommerzielle Ausrichtung übernehmen, ohne dass es zu den Verzögerungen einer Festanstellung kommt.

Der Wert liegt nicht in der Beratung, sondern in der Eigentum und Lieferung.

Letzter Gedanke

Projekte im Agrarsektor scheitern, wenn die Komplexität unterschätzt wird und man davon ausgeht, dass sich die Ausführung von selbst regelt.

Erfolgreiche Projekte erkennen, dass es in der Landwirtschaft nicht nur um den Anbau von Nutzpflanzen geht. Es geht um Märkte, Logistik, Governance, Anreize und Führungsdisziplin.

Wenn diese Elemente vorhanden sind, skalieren die Projekte.
Wenn sie zersplittert sind, haben selbst die besten Ideen Mühe zu überleben.

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